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Neues zur Gebrauchsdauer von Rettungsgeräten

2012-01-26

Getreu dem Motto des FFM „Seit 2001 fördern wir die Hobbyfliegerei auf eine einzigartige Weise: Wir zeigen Missstände auf“ mache ich hier die HG- und GS-Fliegergemeinschaft darauf aufmerksam, dass eine Vorschrift zur Entsorgung von Rettungssystemen, die älter als 10-13 Jahre sind, nicht existiert.

Januar 2012 schrieb ich diesbezüglich einen offenen Brief (s.u.) an den Hersteller Fly market, Stefan Kurrle. Das Fazit seiner Antwort jenseits viel Gerede um den heißen Brei lautet:

Innerhalb dieser Betriebsgrenzen besteht vom Hersteller eine Produkthaftung bezüglich der zugesicherten Eigenschaften. … Selbstverständlich obliegt es jedem Piloten selber ob er seine Ausrüstung über die Betriebsgrenzen hinaus benutzt!

Mit anderen Worten:

Es gibt definitiv keine gesetzlich verbindlich geregelte Lebensdauer für HG- und GS-Rettungen. Demnach darf jeder Pilot über 10-13 Jahre alte Rettungen weiter nutzen. Klar, dass Hersteller aller Waren ein legitimes Interesse haben, ihre Produkthaftung zu begrenzen, für die Zeit danach aber ein Verbot oder eine Untauglichkeit abzuleiten, ist Täuschung.

Gleitschirme werden wesentlich härter beansprucht und verschlissen, als Rettungen, dennoch werden sie nicht nach 10 Jahren automatisch entsorgt oder reißen plötzlich reihenweise in der Luft. Rettungen sind wesentlich besser vor Licht und anderen Einflüssen geschützt, so dass deren Lebensdauer deutlich länger sein müsste, als diejenige von Gleitschirmen und Drachen.

Übrigens: Wenn der DHV tatsächlich für seine Mitglieder eintreten würde, statt vor ihnen die Funktionärsgehälter geheim zu halten, dann hätte er schon lange klar gestellt, dass es unsinnig ist, unversehrte Rettungen aus Altersgründen zu entsorgen und hätte den entsprechenden Nachweis mit dafür tauglichen(!) Tests angetreten. Zu diesem Zweck war es bisher schließlich ein Leichtes, an angeblich wertlosen alte Rettungen zu kommen!

Gérard Cohen

Offener Brief von Cohen an Kurrle:
Hallo Herr Kurrle,

laut Aussage eines Fluglehrers aus dem Donaugebiet in einem gerichtlichen Umfeld hätten 10-Jahre alte Rettungen nur noch Schrottwert. Da dieser Fluglehrer inzwischen jedoch wegen Verletzung von Sicherheitsvorschriften abgemahnt wurde, erlaube ich mir, seinen Äußerungen nur begrenzten Glauben zu schenken. Daher bitte ich, als Käufer einer Ihrer Rettungen, Sie als Hersteller um die Beantwortung folgender Frage:

Aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage, LTF oder sonstiger Richtlinien sollte überhaupt die Lebendauer von Rettungen, auf 10 Jahre begrenzt werden, außer um einen neuen und unnötigen Kauf als Ersatz für eine völlig unversehrte Rettung auszulösen?

Die Lufttüchtigkeitsforderungen NfL II 91/09 für HG und GS des LBA vom 17.12.2009 beschränken die Lebensdauer von Rettungen in keiner Weise, obwohl diese Platform sich dafür hervorragend eignen würde. Andere Richtlinien und sonstige verbindliche Vorschriften gibt es m. E. weder in Deutschland noch in der übrigen Welt.

Zwar darf jeder Hersteller die Garantie seiner Produkte beschränken, nicht jedoch damit gleichzeitig deren Zulassung. Eine etwaige Materialhaltbarkeit, die im übrigen nirgends genau untersucht wurde, kann für die o.g. Begrenzung auch nicht herhalten, da die Lebensdauer von Gleitschirmen schießlich auch nicht auf 10 Jahre begrenzt wird, obwohl Gleitschirme ungleich stärker beansprucht werden als Rettungen, die nie ausgelöst wurden und stets UV-geschützt gleich in 2 Containern aufbewahrt wurden. Der Verfall der Hersteller-Garantie darf ebensowenig die Zulassung tangieren, ansonsten müsste mit gleicher Begründung jedes neue Auto nach Garantieverfall ebenfalls entsorgt werden.

Ich danke für eine Antwort bis Mitte Januar, da diese Zeitspanne für einen seriösen Hersteller voll ausreichen dürfte. Nach diesem Datum muss ich annehmen, dass Sie auf meine berechtigte Frage keine Antwort haben und die Luftaufsichtsbehörden um Klärung dieser Frage ersuchen.

MfG
GC


Antwort von Kurrle:
Sehr geehrter Herr Cohen,

zu Ihrem „offenen Brief“ bezüglich der Lebendauer von Rettungsfallschirmen:

Leider haben Sie ein paar Fakten in Ihrem offenen Brief durcheinander gewirbelt, die ich klären möchte:

  1. Unsere Rettungsfallschirme haben wie alle anderen Rettungssysteme (egal ob für das Fallschirmspringen oder Gleitschirmfliegen) gewisse Betriebsgrenzen. So zum Beispiel Gebrauchsgeschwindigkeit, max. Anhängelast, Packintervall und Nachprüfintervall. Hierzu gehört auch die zulässige Betriebszeit von 10 Jahren mit der Option der Verlängerung dieser Betriebszeit bis 12 Jahre bei jährlicher Nachprüfung.
    Innerhalb dieser Betriebsgrenzen besteht vom Hersteller eine Produkthaftung bezüglich der zugesicherten Eigenschaften. Dies hat nichts mit der gesetzlichen Gewährleistung (24 Monate) zu tun!
  2. Aus den oben genannten Gründen versteht es sich also von selbst, dass dies nichts mit den Bauvorschriften (NFL oder EN) zu tun hat. Die Bauvorschriften beschränken sich ganz klar auf Testverfahren und den damit verbundenen Betriebsgrenzen (Beispielsweise: max Auslösegeschwindigkeit oder max Abflugmasse)
  3. „Zulassung“: Gleitschirm/Drachenrettungssysteme genauso wie Gleitschirme, Hängegleiter und Gurtzeuge unterliegen nicht der Zulassungspflicht, sondern sind musterprüfpflichtig.
  4. Alterung: auch vermeintlich „unbenutzte“ Rettungssysteme altern. Hier möchte ich nur beispielsweise und in Stichworten einige Punkte erwähnen:
    • Luftdurchlässigkeit des Stoffes steigt mit zunehmendem Alter, da die Ausrüstung des Stoffes sich wieder „zurückstellt“
    • Festigkeitsverlust des gesamten Systems durch Wartung – sprich Neupackung (Handschweiß, Staubaufnahme, Bewegung des Materials während des Packens) Der Weltmarktführer von Skydiving Rettungssystemen verlangt deshalb z.B. eine Überprüfung nach 40 Packungen durch den Hersteller…
    • Festigkeitsverlust des gesamten Systems während des Betriebes: auch hier ist Staubaufnahme, Bewegung des Fallschirmes während des Fluges im Gurtzeug möglich und aus der Erfahrung heraus auch wahrscheinlich (Sitzkisseneffekt)
    • Die Materialien härten im Laufe der Jahre aus. Sie verlieren ihre Elastizität. Besonders zu beachten ist die Belastung durch Ozon, Sauerstoff, Salz, die nicht vermeidbar sind.
    • UV-Belastung: Exponierte Bauteile wie z.B. die Verbindungsleine können trotz eines gewissen UV Schutzes Festigkeitseinbußen erleiden
    • Festigkeitsverlust des gesamten Systems durch Wärmebelastung, Kälte: Stichwort Kofferraum. Ab 60° C verändert sich der Molekularaufbau von Nylon
    Die o.g. Punkte sind mit Sicherheit nicht vollständig!
  5. Wäre nicht eine Materialprüfung nach Ablauf der Betriebsdauer möglich um eine ausreichende Festigkeit nachzuweisen um damit die Betriebszeit erneut zu verlängern?

    Ja klar wäre das möglich! Allerdings nur durch zerstörerische Prüfungen:
    • Zerstörerische Prüfung als Einzelprüfung: Belastungstest analog zur Zulassung. Nachteil: Sehr teuer und danach ist der Rettungsfallschirm definitiv unbrauchbar
    • zerstörerische Prüfungen als Beispielprüfungen: machen nur Sinn, wenn die Geräte in der absolvierten Lebenszeit exakt den gleichen Bedingungen (Bsp. Bundeswehr) ausgesetzt waren.
      Bei Gleitschirmpiloten ist dies etwas anders. Der eine packt das Rettungssystem in die Wolldecke, der andere geht jedes Jahr für 3 Wochen an die Düne zum fliegen. Folglich ist die Nutzung und somit die Alterung nicht mehr vergleichbar.
Resümee:

Die Begrenzung der Betriebszeit von Rettungssystemen ist keinesfalls ein cleverer Einfall der „bösen, geschäftstüchtigen“ Hersteller um neue Systeme zu verkaufen! Es ist vielmehr ein Sicherheitsmechanismus (genauso wie eine 24 monatige Nachprüfung des Rettungssystems) um einen betriebstüchtigen Zustand des Rettungssystems zu gewährleisten, damit dieser Falle eines Falles Leben retten kann!

Eine „Geiz ist geil“ Mentalität ist bei einem Rettungsfallschirm aus meiner Sicht einfach nicht angebracht! Man hat schließlich nur ein Leben, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes dann im Falle des Falles dran hängt!

Jeder seriöse Hersteller wird daher die Betriebszeit seines Rettungsfallschirmes limitieren, nicht nur aus der Verantwortung der Produkthaftung, sondern vor allem aus der Verantwortung gegenüber seines Kunden!!!

Die Betriebsgrenzen sind über die Betriebsanleitung als Download öffentlich zugänglich, so dass auch niemand die berühmte „Katze im Sack“ kauft!

Selbstverständlich obliegt es jedem Piloten selber ob er seine Ausrüstung über die Betriebsgrenzen hinaus zu benutzt. Über mögliche technische und rechtliche Konsequenzen ist er dann folglich alleine verantwortlich!

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Kurrle
Fly market GmbH & Co. KG


Update 2012-05-30

Meine obigen Ermittlungen zugunsten der 35.000 DHV-Mitglieder, die sich nun den Kauf einer neuen Rettung alle 10 Jahre ersparen können, hat nun ein Nachspiel:

Der Hersteller Stefan Kurrle von Independence sandte dem DHV ein Pamphlet, in dem er aufgrund seines Bauchgefühls nichts anderes verlangt, als die Aberkennung meiner Tandemlizenz, die Barthelmes als Prüfer und Schleppbüro-Funktionär 2008 bereits einmal erfolglos abzuerkennen versucht hatte.

Sachverhalt

2008 kaufte ich für 996,42 € ein HG-Tandemrettungsgerät von Independence.

Juni 2010 ließ ich für Soloflüge mit dem Atos VX die Gurte eines GS-Tandemschirmes auf HG von Independence modifizieren (Solo-Rettungsgeräte sind für schwere Hängegleiter unterdimensioniert). Auf Rückfrage von Independence teilte ich diesen Verwendungszweck schriftlich mit.

Die von Kurrle genannten Gründe für den angestrebten Entzug meiner Lizenz sind mein "2 Jahre abgelaufenes Gleitschirm Tandem-Rettungsgerät" meine "Wortwahl" und mein "Gehabe", die auf mein fehlendes "Pilotenvermögen" als Tandempilot schließen lassen, und somit begründen, dass ich eine "Gefahr für jeden Passagier" sei.

Andere Beweise als sein "Bauchgefühl" und "zugegeben alles Vermutungen" führt er nicht an, wohl jedoch, dass er diese Mail schreibe: "Nicht um Herrn Cohen zu schädigen, aber um eventuell einen unschuldigen Passagier vor einem Unfall zu bewahren!"

Dabei kennt Kurrle die Szene zu genau, um nicht zu wissen, dass nebst dem tödlichen HG-Tandemunfall von 2003 in Altes Lager, bei dem der Fluglehrer-Anwärter überlebte, die 21-jährige Flugschülerin aber verstarb, mindestens 2 DHV-Fluglehrer, Dirk Soboll und Martin Schaffer, jeweils mit Passagierin 2008 im HG-Tandem verunfallten!

Nun soll rechtlich geklärt werden, ob seitens Kurrle tatsächlich jene o.g. edle Absicht vorliegt, oder ob seine Mail nichts anderes ist, als die handfeste Verleumdung eines Kunden, dessen Veröffentlichung zum Fehlen zeitlicher Zulassungsbegrenzungen für Rettungen die Geschäfte stört.

Gérard Cohen